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  • Francois Muller

Strategieentwicklung im Gesundheitswesen

Aktualisiert: Mai 5

Wie Sie in 6 Schritten einen gezielten Weg in die Zukunft finden: Ein Praxisbeispiel anhand des Regionalen Pflegezentrums Baden.

#Strategie #Methodik #Gesundheitswesen

Aufgrund der demografischen Entwicklungen in der Schweiz und der Überalterung der Gesellschaft steigt die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen. Dies führt einerseits zu höheren Kosten, andererseits zu neuen Investitionsvorhaben – und in der Folge fällt das Wort «Strategie» bei vielen Schweizer Leistungserbringern.

Doch wie genau wird eine solche Strategie entwickelt? Auf diese Frage wollen wir am Beispiel des Regionalen Pflegezentrum Badens, kurz RPB, in diesem Beitrag eingehen.


Ein Wandel muss her


Das Regionale Pflegezentrum Baden agierte bei Projektstart auf einer soliden finanziellen Basis und in einem wachstumsstarken Markt. Es orientierte sich in seiner Tätigkeit jedoch an einer Strategie aus einer früheren Zeit, welche aufgrund der Veränderungen in der Gesundheitsversorgung aktualisiert werden musste.

Die Leitung des Pflegeheims mandatierte daher ein Projektteam zur Entwicklung einer neuen Strategie. Unter der Projektleitung von #MullerHealthcareConsulting sollte eine Strategie entwickelt werden, die den zukünftigen Veränderungen in der Gesundheitsversorgung Rechnung trägt und auf die Nachfrage in der Region abgestimmt ist.


Eine Strategie entwickeln – wie geht das genau?


Die Muller Healthcare Consulting Methodik zur Strategieentwicklung beruht auf einem 6-Phasenmodell, welches ein strukturiertes und transparentes Vorgehen ermöglicht:

Eine Strategieentwicklung sollte jeweils mit einer Unternehmensanalyse starten. Hierbei gilt es,

  • die strategischen Prämissen – wie zum Beispiel die Eigner-Ziele – zu erfassen,

  • die Historie und Kultur des Unternehmens zu beleuchten, 

  • sowie Stärken und Schwächen zu identifizieren.


Nicht weniger wichtig ist dabei natürlich auch die Aufbereitung von Kennzahlen: Verfügt das Unternehmen zum Beispiel über verlustgenerierende Elemente im Leistungsportfolio? Wenn ja, was ist deren strategische Bedeutung?

Die Umfeldanalyse hingegen befasst sich mit Nachfrage- und Trendentwicklungen, mit Konkurrenten, mit möglichen disruptiven Technologien (Stichwort Demenzpille) sowie mit den rechtlichen Rahmenbedingungen. Besonders wichtig ist hierbei eine präzise Berechnung der künftigen Nachfrage.

Im Fall des Regionalen Pflegezentrums Baden wurde hierzu auf Basis von Bevölkerungsstatistiken, Benchmarks zur Pflegebedürftigkeit, Prävalenzzahlen zur Demenz sowie Einschätzungen zum Verhältnis ambulant versus stationär, der Bedarf an stationären Pflegeplätzen für die Region Baden in den Jahren 2020-2035 berechnet.

Auf Basis dieser Analysen werden anschliessend verschiedene strategische Optionen bezüglich des Marktes, der Kundensegmente und des Dienstleistungsangebots entwickelt : Will ich mich als Pflegezentrum ganz auf ein Spezialfeld konzentrieren? Verfolge ich eine überregionale Wachstumsstrategie? Jede der möglichen Optionen muss anschliessend auf verschiedene Kriterien geprüft werden.

Nebst einer qualitativen Bewertung gilt es für jede strategische Option eine Planerfolgsrechnung zu simulieren um die finanzielle Machbarkeit und Auswirkungen zu bewerten.

"Strategy Means Choice"

Nach Abschluss der ersten 4 Phasen geht es darum, auf Basis aller Erkenntnisse und der Bewertung strategischer Szenarien, Entscheidungen zu treffen. Eine Strategie ist nur dann eine Strategie, wenn sie eine klare Entscheidung für oder gegen einen gewissen Markt oder Produkte/Dienstleistungen beinhaltet.


Das Regionale Pflegezentrum Baden entschied sich klar:


  • für eine Zentralisierung der Leistungen am Standort Baden,

  • für eine Spezialisierung des Leistungsportfolios in der stationären Pflege (beispielsweise Aufbau einer Abteilung für jüngere Pflegebedürftige)

  • sowie für den Aufbau altersgerechter Wohnungen, die es ermöglichen, Menschen in allen Lebensphasen des Älterwerdens zu begleiten und die finanzielle Volatilität der stationären Pflege ein wenig auszugleichen.


Ferner sollte eine Strategie auch die notwendigen Rahmenbedingungen für die Umsetzung aufführen. Das Regionale Pflegezentrum Baden musste hierfür einen Neubau und die Verselbstständigung in eine Aktiengesellschaft im Besitz der Stadt Baden in Angriff nehmen.

Das Badener Stimmvolk sagte mit überragenden 80 Prozent klar "Ja" zur Strategie und Rechtsformänderung des Regionalen Pflegezentrum Baden. Das RPB folgt nun einer innovativen Strategie, welche eine nachvollziehbare und transparente Grundlage für alle Entscheidungen bietet. Die neu entwickelte Strategie dient dem RPB heute nicht nur als Orientierung für die Auslegung des Tagesgeschäftes, sondern auch als Grundlage für den geplanten Neubau.


Wegbereiter für Neubauprojekte


Im Gesundheitswesen werden oftmals Neubauprojekte in Angriff genommen, ohne dass vorab präzise Vorgaben zur strategischen Ausrichtung gemacht werden. Die RPB-Führung hat erkannt, dass für eine innovative und nachhaltige Entwicklung des Unternehmens ein strukturierter Prozess nötig ist. Im Zusammenhang mit einem Neubau darf nicht in Quartalen, sondern eher in Jahrzehnten gedacht werden . Diese Haltung ist alles andere als selbstverständlich.

Hier aber wird sie dazu führen, dass in Baden nicht nur ein guter, sondern ein herausragender Neubau entstehen kann.



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