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  • Elvira Häusler

In 3 Schritten zu value-based healthcare

Aktualisiert: Mai 18

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Stark wachsende Kosten sowie Unterschiede in Qualität, Sicherheit, Ergebnis, Aktivität und Effizienz, stellen das Schweizer Gesundheitssystem vor grosse Herausforderungen. In dem Spannungsverhältnis von Kosten und Qualität zeigen Daten, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis des Schweizer Gesundheitswesens noch Luft nach oben hat. Was wäre, wenn wir bessere Ergebnisse bei gleichen oder weniger Kosten erzielen könnten?



Ein Lösungsansatz, der bereits seit längerer Zeit intensiv diskutiert und in einigen Ländern getestet wird, ist value-based healthcare (VBHC). Bei value-based healthcare wird für Patienten- oder Bevölkerungsgruppen der Wert der Versorgung definiert. Der Wert (=value) ergibt sich durch das mit dem Patienten vereinbarte Behandlungsergebnis und den Kosten, die dafür aufgewendet werden. Dieser patientenzentrierte Ansatz birgt das Potenzial, bessere Gesundheitsergebnisse bei geringeren Kosten zu erreichen. Trotz einiger bemerkenswerter Erfolge sind die meisten wertbasierten Initiativen im Gesundheitswesen zwar noch isolierte Innovationsinseln. Aus diesen Beispielen können wir aber viel lernen.



Value-based healthcare in seiner ursprünglichen Form (vgl. Porters „Redefining Health Care“) legt den Wert einer Behandlung für den einzelnen Patienten fest, indem die erzielte Qualität durch die entstandenen Kosten der Behandlung dividiert wird. Darauf aufbauend dreht sich die Diskussion in Europa um den persönlichen, allokierten, technischen und gesellschaftlichen Wert (vgl. Expert Panel Europäische Kommission). Oder anders gesagt: Die optimale Nutzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen unter Beachtung der Bedürfnisse des Individuums, einer bestimmten Krankheitsgruppe und der gesamten Bevölkerung wirkt sich wertsteigernd aus.


Der Weg zu wertbasierter Gesundheitsversorgung


Schritt 1: Value, sofort!

Ein erster Schritt sind wertsteigernde Sofortmassnahmen. Dazu gehört das Optimieren von Abläufen und Prozessen innerhalb der Leistungserbringer. So sollten zum Beispiel Austrittstermine nicht mehr nur basierend auf einer vergebenen Verweildauer, sondern vielmehr auf das Erreichen der Behandlungsziele definiert werden. Gleichzeitig müssen Pharmaunternehmen und Hersteller von medizinischen Geräten beginnen, sich für die Lebensqualität der Patienten zu interessieren und ihre Innovationen genau darauf auszurichten. Dabei können wichtige Erfahrungen bezüglich Wertesteigerung gesammelt werden.


Schritt 2: Vernetzung

Sobald eine kritische Masse von Leistungserbringern in einem nationalen Gesundheitssystem aktiv die Gesundheitsergebnisse verfolgt und daran arbeitet, sie im Laufe der Zeit zu verbessern, besteht der nächste Schritt darin, sich auf die Leistungsverbesserung im gesamten Gesundheitssystem zu konzentrieren. Hierfür braucht es ein gemeinsames Verständnis.


Wahre wertbasierte Bemühungen setzen interdisziplinäres Zusammenarbeiten auf allen Ebenen voraus. Idealerweise sind alle Stakeholder involviert (auch die Sozialversicherer). Der Schwerpunkt sollte auf der Entwicklung von gemeinsamen Standards liegen, der einen anonymen Leistungsvergleich zwischen und innerhalb der Gesundheitssysteme erlaubt. Die Motivation dabei ist die Etablierung einer Lernkultur und die Einführung von kontinuierlichen Verbesserungsprozessen bei den Leistungserbringern.


Der öffentliche Austausch von Daten über Gesundheitsergebnisse befähigt die Patienten, eine informierte Wahl zwischen den Behandlungsoptionen und zwischen den Anbietern zu treffen, und zwar auf der Grundlage der Ergebnisse, die für jeden einzelnen Patienten am wichtigsten sind. Sie schafft finanzielle und nicht-finanzielle Anreize für die Beteiligten, bei der Verbesserung des Wertes der Gesundheitsversorgung zu kooperieren und zu konkurrieren.


Schritt 3: Value-based healthcare

In einem wertbasierten Gesundheitssystem liegt der Fokus vollständig auf der kontinuierlichen Verbesserung der Wertschöpfung für definierte Bevölkerungssegmente.

Anstelle der Leistungsangebote in den Listenspitälern, wird die Bevölkerung und ihre Bedürfnisse als Planungsgrundlage herangezogen, woraus Versorgungsprogramme entstehen. Die Versorgungsprogramme basieren auf historischen Daten (Demographie, Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen, Kosten, Dauer, etc.) und prädiktiven Analysen (Entwicklung Krankheits-belastung, Demographie, etc.). Auf dieser Basis können die Leistungsverträge mit den Leistungserbringern verhandelt und festgelegt werden.

Das könnte zum Beispiel wie folgt aussehen:


Eine kantonale, regionale und lokale Versorgungsregion kann in eine Reihe von Versorgungsprogrammen unterteilt werden. Diese Versorgungsprogramme richten sich an die Bedürfnisse eines bestimmten Segments der Bevölkerung. Diese Programme reichen meist über die Grenzen der Spitalmauern hinaus und die Programmteilnehmer profitieren von einer integrierten Versorgung.

Beispiele für mögliche Versorgungsprogramme sind: Gesundheit des Bewegungsapparats, Gesundheit von Frauen, Diabetes, ältere Menschen mit Gebrechlichkeit, psychische Gesundheit, Herz-Kreislauf-Versorgung, Notfallversorgung, Krebs und Sterbebegleitung.

Es ist nicht sehr realistisch, alle Versorgungsprogramme direkt umsetzen zu wollen. Viele Beispiele aus dem Ausland zeigen, das zunächst in einem Programm Erfahrungen gesammelt werden, um dann weitere hinzuzufügen.


Der Weg zu value-based healthcare ist ein Marathon, kein Sprint. Wir werden nicht von heute auf morgen value-based healthcare umsetzen und leben können. Muller Healthcare Consulting begleitet Sie gerne auf Ihrem Weg zu mehr wertebasierter Versorgung.


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Value-based healthcare - eine Fallstudie

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